Eigenes Tonstudio einrichten

Mai 2016

Ein alter Weggefährte hatte mich kürzlich gefragt, was man denn für die Einrichtung eines Studios braucht. Er wolle ein professionelles Aufnahme- und Arrangement/Mixing-Studio bauen. Und, die Qualität solle wirklich gut sein.

Nun, statt einer am Ende viel zu langen E-Mail habe ich mich dazu entschlossen, meine losen Gedanken zu dieser nicht ganz so einfach zu beantwortenden Frage hier zu veröffentlichen – denn der gute Auguste (danke Dir an dieser Stelle für die Idee zu diesem Artikel), so er denn künftig hoffentlich viel Freude in seinem neuen Tonstudio hat – ist nicht der erste, der mich bei diesem komplexen Thema um Rat bittet.

Los geht´s …

(Noch eine Anmerkung, bzw. Definition vorab: Thema soll hier ein „kleines, feines Studio für Musiker, Komponisten, etc.“ sein. Es geht also nicht um Themen wie Orchester-Aufnahme, Surround-Sound oder Dolby-Zertifizierung … und auch nicht um Netzwerktechniken, Workflow-Anforderungen in der Post-Produktion oder Broadcast-Normen. „Professionell“ hat heute zahlreiche Facetten und ein kleiner Teil davon, soll im Folgenden abgebildet werden.) Jetzt aber los …:

Lieber Auguste,

ein Tonstudio kann heute „von – bis“ gehen … meiner Meinung nach ist inzwischen die Technik auch in sehr preiswerten Geräten so gut, dass damit grundsätzlich schon sehr viel möglich ist. Hier also eine Auswahl an Dingen, bei denen ich denke, dass sie die Richtigen für Dein Vorhaben sein könnten.

Die Zentrale: Computer und DAW-Software.

Als zentrales Element benötigst Du natürlich einen Computer – ob Windows oder Mac ist dabei reine Geschmacksache. Ich fühle mich auf dem Mac sehr wohl und dort kannst Du von der kleinsten bis zur teuersten Variante ausnahmslos jedes Gerät für professionelle Musikproduktion nutzen. Out of the box. Auch ein gebrauchter Mac (aber dann nicht älter als etwa 5 Jahre), würde für den Einstieg absolut ausreichen.

Dann benötigst Du eine DAW-Software (DAW, Digital Audio Workstation): Apple´s Logic Pro X oder andere, damit vergleichbare Produkte (Steinberg Cubase, Presonus Studio One, ProTools und viele mehr) sind allesamt spitze. Es gibt da heute keine technischen Fragen mehr – alles Geschmacksache (und die Kosten sind ebenfalls fast identisch). Eine sehr schöne Software, aber für Dich vielleicht weniger geeignet ist höchstens Propellerheads Reason, weil Dein Schwerpunkt wohl eher auf der Audio-Bearbeitung liegen wird.

Musik rein und raus: Audio-Interface.

Um Sound in den Computer hinein und wieder heraus zu bekommen, benötigst Du ein Audio-Interface. Davon gibt es eine ganze Menge am Markt und auch hier kannst Du mit aktuellen Geräten nicht viel falsch machen. Empfehlen kann ich Dir:

Musik rein und raus: Mikrofone und Lautsprecher.

Woran Du nicht sparen solltest sind die Komponenten, mit denen Du Ton aufnimmst und wiedergibst: also Mikrofon(e) und Lautsprecher (und auch Kopfhörer). Ich kann Dir hier nur wenige Empfehlungen aussprechen, weil vieles Geschmacksache und eine Frage der persönlichen Erfahrung mit unterschiedlichen Instrumenten ist.

Aber auch hier gilt eigentlich, dass Du mit den bekannten, lange erhältlichen Marken wie Neumann (Mikrofone und auch Lautsprecher), Rode, Audio-Technica und vielen mehr nicht falsch liegst.

Sicher ist: sehr gute Komponenten sind nie billig. Und Du bemerkst einen Fehlkauf grundsätzlich erst dann, wenn es zu spät ist – wenn die Aufnahme vom Musiker zwar perfekt gespielt war, aber nachher im Mix nicht „funktioniert“, weil (z.B.) das Mikrofon nicht gut war, oder das Audiointerface gezerrt hat, … tja, dann weisst Du eben erst fürs nächste mal bescheid. :-)

Das Drumherum.

Es gibt dann noch die „kleineren Dinge“, wie gute Kabel, Lautsprecher-Stative, Akustik-Elemente für die Räume oder einfach nur ein guter, bequemer Arbeitsplatz (Tisch). Da sollte man ebenfalls nicht sparen, denn (zum Beispiel) kannst Du das beste Mikrofon, die besten Speaker besitzen … wenn die Kabel nicht gut sind, oder Deine tollen Lautsprecher nicht im richtigen Winkel stehen können, oder Du auf einem unbequemen Stuhl die ganze Zeit zwischen den Speakern hin und her rutschst … dann bringt Dir die beste Ton-Technik am Ende überhaupt nichts.

„Das Studio“ selbst: die Räume.

Letzter Punkt: jeder Raum muss geeignet sein. Du brauchst für ein Studio mindestens 2 Räume: Recording und Regie / Editing. Wie groß diese sind, ist fast egal und hängt beim Recording-Room nur davon ab, wie viele Instrumente / Personen Du gleichzeitig aufnehmen können möchtest.

Aber beachte: soll in einem Studio mehr als 1 Instrument zur selben Zeit aufgenommen werden, benötigst Du in der Regel

Und natürlich sollte es im Raum möglichst ruhig sein – meiner Meinung nach ist das beim Editing noch viel wichtiger, damit Du stets in Ruhe an den Aufnahmen arbeiten kannst, ohne durch Geräusche (wie vielleicht bei Euch in der Region eine Klimaanlage) nicht abgelenkt wirst.

Kosten für das eigene Tonstudio.

Der Preis für das eigene Studio in der Größenordnung wie oben beschrieben liegt bei und 7000 EUR. Sind schon Komponenten, wie beispielsweise ein PC, vorhanden, oder ist vielleicht für den Anfang noch kein eigener Aufnahmeraum vonnöten, bleibt es auch für Einsteiger überschaubar. Über den Daumen gepeilt sieht die Rechnung aber wie folgt aus:

Komponente

Preis

Beispiel

PC

1250,00 €

iMac

Audiointerface

400,00 €

SPL creon

Software

500,00 €

Diverse

Lautsprecher (Paar)

1200,00 €

Neumann KH 120 A

Kabel & Co

200,00 €

Diverse

Großmembranmikrofon

1000,00 €

Neumann TLM-103

Raumakustik

2000,00 €

Akustikelemente von HOFA

Kopfhörer

350,00 €

Sennheiser HD 650

Gesamt

6900,00 €

Studio-Komponenten gebraucht kaufen.

Hochwertige Marken-Produkte kannst Du übrigens problemlos auch gebraucht kaufen. Solche Teile werden mit der Zeit nicht wirklich schlechter und brauchen nur selten Ersatzteile.

Soweit diese erste, natürlich eigentlich viel zu grobe Zusammenstellung. Aber für eine grundsätzliche Orientierung sollte es reichen – und vielleicht füllen sich ja im Laufe der Zeit die Kommentare unten mit den ganzen Fragen, die ich hier (ganz sicher) noch vergessen haben sollte.

Eine Antwort zu “Eigenes Tonstudio einrichten”

  1. Mirko Steger sagt:

    Hallo Team von Hutz, 

    ich bin von einem Bekannten auf Sie aufmerksam geworden, was die eventuelle Einrichtung eines Tonstudios für Sprachaufnahmen angeht. Bevor ich mich bereits in zu vielen Details verliere, einfach mal die grundlegende Frage, wie ungefähr die Preisspanne aussehen würde, wenn man von ihnen einen Raum mit Akustikschaumstoff auskleiden lässt bzw. allgemein die Akustik optimiert und sich von Ihnen ein Aufnahmesetup einrichten lässt, sprich ein Mikrofon, an dem sich schon durch z.B. ein Mischpult die Stimme optimieren lässt und sich diese Optimierung von Ihnen genau auf die jeweilige Stimme einstellen lässt bzw. von Ihnen dabei beraten wird. Zusätzlich wäre auch noch eine Beratung, was die Nachbearbeitung der Aufnahme angeht toll, ebenfalls zugeschnitten auf die „Stimme“. Sodass man am Ende ein perfektes, auf die Person zugeschnittenes Set-Up hat beginnend bei der Raumakustik, bis hin zu den optimalen Einstellung für die Aufnahme der Stimme. 

    Viele Grüße an das Team von Hutz

    Mirko Steger

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